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Lagebrief

Ratgeber

Warn-Apps NINA und KATWARN: was sie können und was nicht

Zwei Apps, zwei Anbieter, dieselben amtlichen Warnungen. Was NINA und KATWARN unterscheidet, was Cell Broadcast kann, und warum keine fürs Ausland gedacht ist.

Quellen8

Darauf stützt sich dieser Artikel. Alle mit Namen und Verweis unter dem Text.

Zwei Namen fallen ständig im selben Satz: NINA und KATWARN. Zwei verschiedene Apps, zwei verschiedene Anbieter, mit unterschiedlichem Zweck. Beide kostenlos, beide für Gefahren in Deutschland gedacht, keine für die Lage im Ausland. Wer beide installiert hat, ohne den Unterschied zu kennen, ist damit nicht allein.

Herkunft, Funktion, Grenzen, der Reihe nach.

Zwei Absender

NINA, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App, kommt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, einer Bundesbehörde. KATWARN wurde vom Fraunhofer-Institut FOKUS entwickelt, ursprünglich im Auftrag öffentlicher Versicherer, heute genutzt von zahlreichen Kommunen und Landkreisen. Beide kostenlos.

KATWARN ist das ältere System. Pilotbetrieb 2009 im ostfriesischen Aurich, ein Jahr Testbetrieb in den angrenzenden Kreisen, seit 2011 bundesweit für Kommunen und Landkreise verfügbar. NINA kam später dazu, als bundesweite App des Zivilschutzes. Wer heute eine der beiden herunterlädt, lädt in aller Regel dasselbe amtliche Warnsystem, nur mit anderem Absender.

Die reine Existenz zweier Namen sagt nichts über zwei getrennte Warnnetze, nur über zwei Zugänge zu einem gemeinsamen System.

Wie eine Warnung überhaupt entsteht

Bei NINA ist der technische Ausgangspunkt das Modulare Warnsystem des Bundes, MoWaS. Behörden lösen darüber eine Meldung aus, die dann in der App erscheint: Katastrophenschutz von Ländern und Kommunen, Polizei, der Deutsche Wetterdienst. Für den Inhalt ist jeweils die herausgebende Stelle verantwortlich, nicht das BBK selbst.

KATWARN arbeitet ortsbasiert. Nutzerinnen und Nutzer können neben dem eigenen Standort bis zu sieben weitere, frei wählbare Orte hinterlegen, etwa den Wohnort von Angehörigen.

Seit einigen Jahren werden amtliche Bevölkerungsschutz-Warnungen zwischen beiden Systemen wechselseitig ausgetauscht. Eine Warnung, die über das eine System läuft, taucht in aller Regel auch im anderen auf. Beide parallel zu installieren bringt selten zusätzliche amtliche Warnungen. Wichtiger: eine der beiden zu haben, mit richtig gesetztem Standort.

Kein Grund für zwei Apps, außer persönlicher Gewohnheit oder besonderem Interesse an einem zweiten Ort.

Was so eine Warnung eigentlich zeigt

Eine Warnung in NINA ist mehr als Text. Jede Meldung trägt ein Symbol für die Art der Gefahr und eine farbliche Kennzeichnung, wie ernst die Lage nach Einschätzung der herausgebenden Stelle ist. Antippen zeigt konkrete Verhaltenshinweise, was jetzt zu tun ist, nicht nur, dass etwas passiert ist. Unterschied zur reinen Push-Nachricht: Die App alarmiert und leitet an.

Cell Broadcast, der dritte im Bunde

Seit dem 23. Februar 2023 gibt es in Deutschland zusätzlich Cell Broadcast: Warnungen, die ohne App direkt aufs Handy kommen, ähnlich einer SMS, solange das Gerät an und im Mobilfunknetz ist. Kein Download, keine Registrierung. Begrenzte Zeichenzahl, keine detaillierten Verhaltenshinweise, keine Karten. Cell Broadcast, NINA, KATWARN, Sirenen, Rundfunk: Die zuständigen Stellen sprechen bewusst von einem Warnmittel-Mix, keines der Systeme soll allein alles abdecken.

NINA kommt vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe; Behörden lösen über das Modulare Warnsystem des Bundes aus, jede Meldung trägt Symbol und Einstufung, das Antippen zeigt Verhaltenshinweise. KATWARN kommt vom Fraunhofer-Institut FOKUS, wird von Kommunen und Landkreisen genutzt und arbeitet ortsbasiert, mit bis zu sieben weiteren frei wählbaren Orten. Amtliche Bevölkerungsschutz-Warnungen werden zwischen beiden Systemen wechselseitig ausgetauscht. Cell Broadcast gibt es seit dem 23. Februar 2023, ohne App direkt aufs Handy, mit begrenzter Zeichenzahl, ohne detaillierte Verhaltenshinweise und ohne Karten. Alle drei warnen vor Gefahren in Deutschland; für die Einschätzung einer Lage im Ausland ist keines davon gedacht.

Drei Zugänge zu denselben amtlichen Warnungen, und die Grenze, die für alle drei gilt.

In der Praxis sind die meisten Warnungen, die tatsächlich ankommen, Wetterwarnungen: Sturm, Starkregen, Glätte. Das macht die Apps nicht weniger sinnvoll, erklärt aber, warum viele Menschen sie installieren, ohne je eine Warnung zu einem größeren Ereignis zu bekommen. Einrichten dauert wenige Minuten: App laden, Standort freigeben oder manuell einen Ort hinzufügen, fertig.

Was passiert, wenn ein System versagt

Kein Warnsystem ist fehlerfrei. Am bundesweiten Warntag am 10. September 2020 kamen viele Warnungen verspätet oder gar nicht an, weil das Modulare Warnsystem des Bundes durch zu viele gleichzeitig ausgelöste Meldungen überlastet war. Die zuständige Behörde räumte das Scheitern damals öffentlich ein. Genau deshalb der Mix aus mehreren Kanälen: Fällt einer aus, bleibt ein anderer. Wer sich auf eine einzelne App verlässt und deren Push-Benachrichtigungen deaktiviert hat, verliert diesen Vorteil.

Der Warntag selbst hat danach eine Pause eingelegt. Die Innenminister von Bund und Ländern beschlossen am 30. Juni 2021, den für September 2021 geplanten Warntag ausfallen zu lassen, weil die Warninfrastruktur gerade umgebaut wurde. Der nächste fand am 8. Dezember 2022 statt. Seit 2023 läuft er jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September, zuletzt am 11. September 2025. Getestet werden dann alle Kanäle zusammen: Sirenen, Cell Broadcast, NINA, KATWARN, Rundfunk.

Wofür das alles gedacht ist

Unwetter, Großbrände, Stromausfälle, Bombenfunde, ABC-Gefahren: Ereignisse mit klarer behördlicher Zuständigkeit in Deutschland. Dazu Verhaltenshinweise für den Ernstfall, Informationen zu Notvorräten. Persönliche Daten braucht keines der Systeme zwingend, der Standort bleibt bei NINA auf dem Gerät.

Warum trotzdem beide Namen fallen

Wer von „der Warn-App“ spricht, meint oft irgendeine der beiden, ohne den Unterschied zu kennen. Im Alltag meist unerheblich, weil sich die amtlichen Inhalte überschneiden. Für eine bestimmte Kommune oder einen Landkreis ist KATWARN mit seinen zusätzlichen Orten oft flexibler. Für die bundesweite, offizielle Referenz: NINA.

Wer beide Apps parallel nutzt, verdoppelt vor allem die Zahl der Wetterwarnungen auf dem Sperrbildschirm, nicht die Sicherheit.

Wofür es nicht gedacht ist

Für die Einschätzung einer politischen oder militärischen Lage im Ausland sind das nicht die vorgesehenen Werkzeuge. Dafür gibt es andere amtliche Kanäle, allen voran die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts. Wer sich um Angehörige im Ausland sorgt, braucht andere Quellen als eine Warn-App des deutschen Bevölkerungsschutzes.

Lagebrief setzt hier an, aber anders: keine amtlichen Gefahrenmeldungen für Deutschland, sondern ein Lagebild aus mehreren Quellklassen für Orte, die du selbst markierst, mit sichtbarer Trennung zwischen automatisch erkannten, ungeprüften Signalen und dem, was bestätigt ist. Lagebrief ersetzt keine behördlichen Warn-Apps. Lagebrief startet voraussichtlich am 1. Oktober 2026. Bis dahin gibt es einen unverbindlichen Frühzugang.

Quellen

  1. BBK: Warn-App NINA, Funktionen und Inhalte
  2. BBK: Warn-App NINA
  3. Kreisverwaltung Euskirchen: Die Warn-Apps KATWARN und NINA
  4. Verbraucherzentrale: Cell Broadcast, neues Warnsystem für Katastrophen in Deutschland
  5. Katwarn: Wikipedia
  6. web.de: Vernichtendes Urteil. Warntag laut Bundesinnenministerium fehlgeschlagen
  7. BMI: Nach IMK-Verständigung, nächster bundesweiter Warntag im September 2022 (30.06.2021)
  8. BBK: Terminübersicht der Warntage

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